Katja Heimann-Kiefer schreibt über Übersetzen, Sprache und Text, Lesen und Vorlesen und den ganzen Rest

12 Gründe, warum die Arbeit mit Text der tollste Beruf ist

Übersetzen, schreiben, lektorieren – die Arbeit mit Text ist der tollste Beruf! Ich habe aufgeschrieben, was mir daran solche Freude bereitet, und bin auf 12 Gründe gekommen. Zählen Sie doch mal mit …

Übersetzen

Zuerst lese ich den englischen Text, muss erfassen und verstehen, was gemeint ist. In meinem Hirn ploppen sofort mehrere Übersetzungsvarianten auf. Ich spiele die verschiedenen Optionen durch, feile daran herum. Schließlich entscheide ich mich für diejenige, die die Absicht des Originals am getreuesten wiedergibt, am besten zu Textsorte und Zielgruppe passt, am geschmeidigsten klingt. Manchmal konsultiere ich Wörterbücher als Inspiration, wenn ich weiß, es gibt dieses eine Wort, das genau richtig ist, das quasi in der letzten Hirnwindung vor dem Ausgang quer liegt und nicht herauswill.

So entsteht nach und nach die Übersetzung, die den Inhalt und die Botschaft des Ausgangstextes natürlich und idiomatisch wiedergibt. Schließlich soll man der Übersetzung nicht anmerken, dass sie eine ist.

Schreiben

Beim Übersetzen gebe ich die Gedanken von anderen wieder, aber beim Schreiben sage ich, wo der Text langgeht. Ich entscheide, welche Informationen der Text enthalten soll (je nach Auftrag natürlich) und in welcher Reihenfolge ich sie am sinnvollsten im Text unterbringe. Dabei muss ich abwägen: nicht zu viele Informationen, nicht zu wenige. Klare Aussagen ohne Ballast, mit denen ich die Zielgruppe erreiche. Manchmal gibt es auch Zeichenvorgaben – es ist eine anregende Herausforderung, so lange umzuformulieren und zu kürzen, bis ich die geplanten Inhalte in der vorgesehenen Textlänge unterbringen kann.

Lektorieren

Artikel, Broschüre oder einseitige Werbeanzeige? Mit dem Rotstift in der Hand oder im Kopf beginne ich zu lesen – und werde meist auch fündig. Hier eine unrunde Formulierung, da eine missverständliche Aussage, dort ein Ausdruck, der nicht zu Textsorte und Zielgruppe passt, und dann ruft vielleicht noch ein ungeschicktes sprachliches Bild ungewollte Heiterkeit hervor. Falls sich der Stil mitten im Dokument ändert oder sich der rote Faden irgendwo im Text verknäult, sind größere Eingriffe erforderlich. Auch Details entgehen mir nicht: Hier stört ein Bindestrich anstelle des korrekten Gedankenstrichs, dort versteckt sich ein falsches Abführungszeichen, bei der Bildunterschrift ist die letzte Zeile abgeschnitten und der Wochentag passt nicht zum Datum …

Ich empfinde es als außerordentlich befriedigend, alle diese Schwachpunkte zu entdecken, zu verbessern und hinterher einen richtig schönen Text abzuliefern.

Die Mischung macht’s

Mehrere Metall-Enten spucken Wasser in ein SteinbeckenDie unterschiedlichen Aspekte der Arbeit mit Text tragen dazu bei, dass das große Becken der beruflichen Zufriedenheit gut gefüllt ist.

Der besondere Reiz bei meiner Arbeit ist die Abwechslung. Jede meiner Aufgaben erfordert ein anderes Denken, und jede ist auf ihre Weise schön. Wenn ich von einer Tätigkeit zur anderen wechsle, spüre ich förmlich, wie sich mein Hirn neu sortiert, wie meine Gedanken beginnen, auf ganz anderen Bahnen zu laufen. Das hält den Geist in Schwung!

Dazu kommt die thematische Vielfalt. Mit vielen unterschiedlichen Themen zu arbeiten, ist sehr bereichernd und ich lerne ganz oft Neues: Schulungen für Verkaufsprofis zum Umgang mit verschiedenen Persönlichkeitsprofilen, Prüfanschmutzungen zur Prüfung der Reinigungswirkung in der Instrumentenaufbereitung, modernste technische Verfahren für Audio-Rundumklang, das Dienstleistungsprofil eines Hafens, die Sterilisation von Schneidwerkzeugen aus neuseeländischem Pounamu-Stein – ich könnte diese Liste noch endlos fortsetzen.

Und am Ende eines Auftrags steht ein Text, den ich mit gutem Gewissen in die Welt entlassen kann. Er wird seinen Zweck erfüllen.

Das tolle Dutzend

Welche befriedigenden Aspekte meines Berufs haben Sie beim Lesen entdeckt? Hier ist meine Liste:

  1. Verstehen
  2. Gekonnt mit Sprache umgehen
  3. Mit der notwendigen Distanz zum Ausgangstext im Deutschen idiomatisch formulieren
  1. Die Richtung vorgeben
  2. Inhalt und Sprache für die Zielgruppe passend wählen
  3. Formale Vorgaben als Herausforderung
  1. Den roten Faden finden
  2. Sprachliche Mängel und Fehler verbessern
  3. Typografische Details beachten
  1. Abwechslung
  2. Neues lernen
  3. Befriedigung durch gute Resultate

 

2 Kommentare

  1. DANKE für diese Lesefreude !
    Ich habe den Blog mit großem Interesse gelesen und hatte großes Vergnügen dabei.

    Jetzt 😄 frage ich mich nur,
    wieso nimmst Du für Deine Arbeit Geld,
    wo Du schon bei der Arbeit soooo viel Freude hast ????

    Aber – Spaß beiseite – die Freude bei mir war groß !

    Vera in Hamburg

    V. H.

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