Katja Heimann-Kiefer schreibt über Übersetzen, Sprache und Text, Lesen und Vorlesen und den ganzen Rest

Zusammensetzungen aus Substantiv und Adjektiv: „Bruch gefährdet“

Kiefheim klärt auf.

Schild am Baum: "Lebensgefahr! Bäume Bruch gefährdet"

Bei einem Herbstspaziergang fiel mir dieses Schild auf, es hing hinter einem Zaun am Baum:

„Lebensgefahr! Bäume Bruch gefährdet“

Dies ist ein schönes Beispiel für einen Denkfehler, den man häufiger entdecken kann.

Was ist hier das Problem?

Man versteht schon, wovor hier gewarnt wird: Es besteht die Gefahr, dass Äste von den Bäumen abbrechen und beim Herabfallen jemanden erschlagen können.

Auf dem Schild wird aus dem Abbrechen der „Bruch“, und die Bäume sind „gefährdet“. Tatsächlich sind sie aber nicht „Bruch gefährdet“, sondern „bruchgefährdet“.

Die beiden Wörter „Bruch“ und „gefährdet“ verbinden sich hier zu einem neuen Ausdruck mit einer eigenen Bedeutung. Deswegen muss man sie in einem Wort zusammenschreiben, hier sind die Regeln der deutschen Sprache kompromisslos.

Schreibweise von Zusammensetzungen aus Substantiv und Adjektiv

Das so entstandene Wort ist ein Adjektiv, die Wortart wird nämlich durch den letzten Teil eines Wortes bestimmt. Adjektive beginnen in der Regel mit einem Kleinbuchstaben, deswegen wird das neue Wort kleingeschrieben, „bruchgefährdet“. Das gilt auch dann, wenn der erste Teil ein Substantiv ist – hier „Bruch“ – und beim Soloauftritt großgeschrieben würde.

Wie geht es besser?

Die korrekte Schreibweise ist „bruchgefährdet“. Von der Rechtschreibung abgesehen wäre es allerdings geschickter, nicht das Problem zu nennen, sondern seine Folgen für die Menschen, die hier spazierengehen wollen. Vorschlag: „Lebensgefahr durch herabfallende Äste!“

 

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